Interview mit dem Kalon Tripa Kandidaten L. Palden Tawo

Dr. Lobsang Palden Tawo

Von Brennpunkt Tibet | Ausgabe 3/2010

Lobsang Palden Tawo stammt aus der Region Kham, Osttibet. Mit 8 Jahren floh er mit seinen Eltern 1959 aus seiner Heimat zunächst nach Indien. Dort gehörte er zu der Gruppe von 12 Kindern, die 1963 nach Süddeutschland gekommen sind. Nach seiner Schulausbildung studierte er an der Uni in Heidelberg Medizin und arbeitete in diversen Kliniken. Seit 1982 arbeitet er im Klinikum Lüdenscheid als Oberarzt in der internistischen Abteilung mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie.

Neben seinem beruflichen Werdegang bestimmte das Engagement für Tibet sein Leben. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Vereins der Tibeter in Deutschland (VTD), und war auch der Initiator der Tibet Initiative Deutschland (TID) 1989. Ende der neunziger Jahre zog er sich aus der politischen Arbeit zurück und gründete das Tadra-Hilfswerk, das in Osttibet soziale, edukative und kulturelle Projekte durchführt.

Klemens Ludwig sprach mit ihm über die Perspektiven der politischen und Projektarbeit für die Menschen in Tibet.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Tibets Tragödie begann mit der chinesischen Besetzung 1950; neun Jahre später wurde sie nach einem gescheiterten Volksaufstand und der Flucht des Dalai Lama für die Welt offenkundig. Dennoch hat es mehr als ein Vierteljahrhundert gedauert, bis es eine politische Unterstützung für Tibet gab, die von einer großen Solidaritätsbewegung getragen wurde. Was mag die Ursache für diese Diskrepanz sein?

 

LOBSANG PALDEN TAWO: 

Nach dem gescheiterten Volksaufstand am 10. März 1959, bei dem es in Lhasa zu einem Massaker kam, versuchten in etwa über eine Million Tibeter mit Seiner Heiligkeit, dem 14. Dalai Lama, das Land zu verlassen. Allein 80 000 Tibeter haben das indische Exil heil erreicht. In der Anfangsphase in der Diaspora waren die Tibeter hauptsächlich damit beschäftigt, das Exildasein zu organisieren und zu strukturieren. Die Exilregierung, die 1960 ins Leben gerufen wurde, legte Siedlungen an , baute Schulen, Altersheime und Krankenhäuser. Wir waren auf einen langen Kampf eingestellt. Für die große Politik auf der weltpolitischen Bühne fehlte es uns damals an menschlichen Ressourcen. Nur wenige Tibeter waren der englischen Sprache mächtig. Kaum einer hatte eine Ahnung  von der Weltpolitik und ihren Mechanismen. Die jahrhundertelange selbstgewählte Isolation und die dadurch bedingte Ahnungslosigkeit über internationale Gepflogenheiten machte sich im Exil schmerzhaft bemerkbar.

Allen voran versuchte Seine Heiligkeit, der Dalai Lama, auf der Weltbühne Fuß zu fassen. Durch seine charismatische Ausstrahlung, seine sehr liberalen Visionen über die Zukunft Tibets, seine äußerst fortschrittlichen Gedanken über den Weltfrieden und interreligiösen Dialog und Harmonie zwischen den verschiedenen Weltreligionen etc. eroberte er sehr schnell die Herzen der Menschen weltweit.

Durch seine zunehmende internationale Bekanntheit und Beliebtheit kamen auch Tibet und seine Problematik quasi beiläufig ins Bewusstsein der Menschen. Die Sensibilisierung und Internationalisierung des Tibet-Problems verdanken wir somit in erster Linie seiner Person. Als 1987, 1988 und 1989 in Tibet politische Unruhen ausbrachen, ausgelöst durch die unerträglichen Repressalien der Besatzungsmacht und die starre Haltung der Machthaber in Beijing hinsichtlich des äußerst entgegenkommenden Fünf-Punkte-Friedensangebotes Seiner Heiligkeit, des Dalai Lama, vor dem Europäischen Parlament in Straßburg, war die weltweite Tibet-Solidaritätsbewegung nicht mehr aufzuhalten. Kaum ein anders Volk genießt so viel weltweite Sympathie und Hilfsbereitschaft wie die Tibeter. Diesmal waren wir Tibeter besser vorbereitet und ausgerüstet, um diese internationale Solidarität zu kanalisieren und zu strukturieren als 1959. Es kam zu einem regelrechten Boom an „ Tibet-Support-Groups“ weltweit, die zum größten Teil bis heute existieren und sehr viel für Tibet bewirkt haben.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Was gab schließlich den Anlass für die Gründung politischer Tibet-Vereine und eigener Vertretungen, wie den VTD?

 

LOBSANG PALDEN TAWO:

In den 60-ziger Jahren war es gerade mal eine Handvoll Tibeter, die hier in Deutschland lebten. Wir trafen uns häufig, um unsere Kultur und Sprache zu pflegen, aber auch etwas für unsere alte Heimat zu tun. Sehr bald merkten wir, dass eine Organisation in Form eines Vereins unerlässlich ist, wollte man effektiv arbeiten und von anderen ernst genommen werden. Somit haben wir damals unter der Initiative von Dawa Agyitsang den VTD 1979 gegründet. Als die deutsche Bevölkerung immer wieder mit Fragen an uns herantrat, vornehmlich über die tibetische Kultur und Religion etc., sahen wir die Notwendigkeit, ein entsprechendes Forum dafür zu schaffen. Zu diesem Zweck entstand dann 1982 die Deutsch-Tibetische Kulturgesellschaft, die es immer noch gibt und die an Attraktivität nichts verloren hat. Erst 1989, im Anschluss an eine 10. März-Veranstaltung des VTD’s in Bonn, bei der sich ca. 800 Bundesbürger in der von uns gemieteten Schulaula eingefunden haben und das deutsche Publikum in der Diskussion von uns wissen wollte, wie sie die Tibeter in ihrem politischen Kampf am besten unterstützen könnten, sahen wir die Zeit reif zur Gründung einer rein politischen Organisation. Am 08. April 1989 haben wir dann die Personen, die ihr Interesse auf einer Liste bekundet haben, zu einer Gründungdiskussion nach Hennef-Uckerath bei Bonn eingeladen. Als Ehrengast waren Herr Kelsang Gyaltsen, damals Tibet Büro-Leiter in der Schweiz, Michael Alexander vom Tibet-Information-Service, Langenfeld, Herbert Rusche von den Grünen und Herr Klemens Kuby aus München zugegen. Nach langer Diskussion wurde mehrheitlich beschlossen, eine reine politische Organisation ins Leben zu rufen, die nicht nur bundesweit agiert, sondern auch international. Die Gründung der TID war im Nachhinein gesehen ein Meilenstein in unserer Bemühung, die Tibet-Frage voran zu bringen.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Du warst einer der wichtigsten politischen Aktivisten in der Anfangszeit der Bewegung. Worin siehst du deren größte Erfolge?

 

LOBSANG PALDEN TAWO:

In der Tat, ich habe bei der Gründung der TID sehr viel Zeit und Energie investiert. In der Initialphase war ich in meiner Freizeit nur noch in Deutschland unterwegs, um bei der Gründung der 22 Regional- Gruppen behilflich zu sein, aber auch um Streitereien innerhalb der jeweiligen Gruppe zu schlichten oder Vorträge zu halten. Ich lernte somit an meinen freien Wochenenden fast alle namhaften deutschen Großstädte kennen, und das ohne ein Vereinsbudget. Wenn ich heute die TID anschaue, so denke ich, dass all die Mühe sich auf jeden Fall gelohnt hat. TID ist heute eine seriöse, angesehene politische Organisation, die größte ihrer Art in Europa, mit viel Fachkompetenz und politischer Gewichtung. TID hat wesentlich dazu beigetragen, die Tibet-Frage in Deutschland auf eine höhere, professionellere politische Ebene zu heben.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Was wurde versäumt?

 

LOBSANG PALDEN TAWO:

China hat durch seine rasante wirtschaftliche Entwicklung Milliarden von Dollars verdient und Unsummen von Devisen auf die hohe Kante gelegt. Beijing will in naher Zukunft seine Medienlandschaft auch weltweit ausbauen und seine politische Lobbyarbeit verstärken. Dafür wurden Milliarden von Dollars bereit gestellt. Ein Propaganda-Tsunami ungeahnten Ausmaßes rollt auf den Westen zu, um es mit chinesischen „Wahrheiten“ zu überfluten. Wir Tibeter können dem nichts entgegen setzen. Ich wünschte mir daher, dass TID und die anderen Tibet-Support-Groups die politische Lobbyarbeit in den nationalen und internationalen Medien und Parlamenten noch stärker intensivieren als bislang. Ferner wäre es der Größe und der Kompetenz der TID angemessen und zuträglich, wenn die TID bei der Verflechtung der internationalen Tibet-Arbeit eine etwas forcierendere Rolle übernehmen würde. Ein weiterer Punkt, der mir sehr am Herzen liegt, ist eine bessere Zusammenarbeit mit den Tibetern durch stärkere Einbindung der tibetischen Bedürfnisse in die politischen Arbeit. Denn TID wurde damals unter der Prämisse gegründet: „Wie können wir Deutsche Euch Tibetern helfen?“. Um die Bedürfnisse der Tibeter besser kennen zu lernen, ist ein engerer Gedankenaustausch und mehr Zusammenarbeit unerlässlich. Nicht umsonst haben wir damals in der TID-Satzung verankert, dass ein Tibeter vom VTD im TID-Vorstand sein muss, um diesem Tatbestand Rechnung zu tragen. Wohl weiß ich, dass bei den Tibetern aufgrund von begrenzten menschlichen Ressourcen in der Vergangenheit einiges im Argen gelegen hat. Aber inzwischen leben etwa 700 Tibeter in Deutschland und es ist somit nicht mit den vergangenen Jahren zu vergleichen. Der jetzige Vereinsvorsitzender des VTD’s, Lekshay Hortsang, ist an einer engeren Kooperation mit der TID sehr interessiert und motiviert. Als weiteren Punkt wünsche ich mir, dass TID und ICT harmonischer zusammenarbeiten und ihre Möglichkeiten synergetisch einsetzen, anstatt Kompetenzgerangel und Eifersüchteleien auszufechten.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Als Tibet seit Mitte der 1980er Jahre ein wenig geöffnet wurde, begannen Tibeter aus dem Exil, Projekte in der besetzten Heimat zu initiieren. Du gehörtest damals zu deren Kritikern. Was waren deine Vorbehalte?

 

LOBSANG PALDEN TAWO:

Projekte in Tibet waren damals ein heißes Thema unter den Exiltibetern, das sehr kontrovers diskutiert wurde. In der Tat, auch ich hatte damals gewisse Vorbehalte gegenüber Projekten in Tibet. Ich war der Meinung, dass solche Projekte nur mit „Beijings Gnade“ erlaubt sein würden und man somit Gefahr liefe, jederzeit erpressbar zu sein. Damals war ich nur nicht ganz sicher, in welchem Umfang eine reine soziale Arbeit ohne Verquickung mit der Politik, nur mit dem Hauptaugenmerk auf die Bildung der Menschen, erlaubt sein würde. Wie würden zudem die Tibeter  in Tibet diese Zusammenarbeit von Exiltibetern mit den chinesischen Machthabern ansehen und bewerten? Sie riskieren ihr Leben bei den Demonstrationen gegen die brutale Unterdrückung der Chinesen und die Exiltibeter arbeiten sogar mit dem Drangsalierer zusammen. Birgt es nicht die Gefahr, dass dies als eine Art von Verrat missverstanden werden kann? Die neuesten Entwicklungen in der Schweiz zeigen, dass wir mit unseren Bedenken Recht hatten. In diesem Jahr wurden Projektinhaber in der Schweiz (Tibeter) von der chinesischen Botschaft dazu genötigt, bei Ankunft von chinesischen Politikern am Flughafen vorstellig zu werden und sie mit Glücksschals (Khataks) in der Hand herzlich zu empfangen sowie bei den Neujahrseinladungen in der chinesischen Botschaft zu erscheinen. Dies treibt einen Keil zwischen die Tibeter im Ausland. Befolgen sie diese Anweisungen nicht, laufen sie Gefahr, kein Visum mehr für Tibet zu erhalten. Somit ist genau das eingetreten, was wir damals befürchtet hatten.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Schließlich hast du dich selbst aus der politischen Arbeit zurückgezogen, um Waisenhäuser und Schulen in deiner Heimat aufzubauen. Was hat zu diesem Gesinnungswandel geführt?

 

LOBSANG PALDEN TAWO:

Seit meiner Jungendzeit habe ich mich für meine Heimat engagiert, wo ich nur konnte. Habe viel Energie und Zeit investiert. Nicht nur, weil Tibet meine Heimat ist, sondern weil ein solches Verbrechen im 20. Jahrhundert, egal wo auf dieser Welt, einfach nicht passieren darf. Die Exiltibeter und ihre Freunde weltweit haben in den zurückliegenden Jahrzehnten sehr viel erreicht. Tibet und seine Kultur sind in aller Munde.

Trotzdem, wenn man ganz nüchtern das heutige Tibet betrachtet, so haben wir unter dem Strich nichts Substanzielles erreicht. Tibet ist immer noch annektiert und durchläuft weiterhin einen unaufhaltsamen Sinisierungsprozess. Tibetische Kinder in Tibet werden ihrer eigenen Kultur entfremdet. Ihre Sprache und Schrift findet kaum Verwendungsraum mehr in einem zunehmend von Chinesen majorisierten Umfeld. Wenn die Tibeter ihre kulturelle Identität, insbesondere ihre Sprache verlieren, so hat Beijing gänzlich gewonnen. Deswegen spricht Seine Heiligkeit vom kulturellen Genozid in Tibet.

Ich war in den 90-iger Jahren sehr frustriert und ausgelaugt. Ich habe eine Auszeit genommen. 1995 trat ein tibetischer Landsmann aus der Schweiz an mich heran und berichtete mir von der katastrophalen Bildungssituation der tibetischen Kinder in Tibet. Vor allem sei das Leben der Waisen und Straßenkinder mehr als erbärmlich. Ich wollte mir die Situation vor Ort mit eigenen Augen ansehen. Ich tat dies 1995 und sah, dass dringend Handlungsbedarf gegeben war. Als ich die traurigen Augen der verwahrlosten Waisen- bzw. Straßenkinder sah, da gab es kein Halten mehr. Alle vorhin erwähnten Vorbehalte gegenüber Projekten in Tibet meinerseits spielten in dem Moment keine Rolle mehr. Ich musste handeln, zumal meine Frau und ich in der Kindheit ein ähnliches Schicksal durchlebt hatten.

Nun, in den zurückliegenden 13 Jahren haben wir mit einigen deutschen Freunden 2 Kinderdörfer, eins in Kham und eins in Amdo, aufbauen können. Zirka 400 Waisenkinder gedeihen und blühen in diesen idyllischen Kinderdörfern unter der Obhut von liebevollen Pflegeeltern. Sie besuchen zudem ihre eigenen Schulen mit Tibetisch als Unterrichtssprache. Die Infrastruktur der beiden Kinderdörfer wurde 2007 mehr oder weniger komplettiert. Das Projekt läuft sehr gut und ein weiterer Ausbau ist nicht vorgesehen. Meine spezielle kommunikative Fähigkeit ist daher nicht mehr von Nöten. Daher habe ich mich -auch aus gesundheitlichen Gründen- aus dem Projekt vor einiger Zeit zurückgezogen.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Die politische Tibetbewegung ist heute weltweit gut organisiert, vernetzt und auf der nationalen Ebene recht einflussreich. Welche Bedeutung misst du ihr aus der Distanz bei? Welche Chance zur Einflussnahme auf Tibet selbst haben sie?

 

LOBSANG PALDEN TAWO:

Ich halte die politische Arbeit der Tibet-Support-Groups für eminent wichtig. Durch sie haben wir unsere politische Lobbyarbeit in den nationalen und internationalen Ebenen, insbesondere in den Parlamenten, intensivieren können. Man hat dadurch Zugang zu den unmittelbaren machtpolitischen Schaltstellen, was direkte Auswirkungen auf die Tagespolitik im Bezug auf Tibet und das Tibetproblem haben kann. Ich will damit nicht sagen, dass TID, ICT und VTD, die Kanzlerin Angela Merkel 2007 dazu bewegt hat, Seine Heiligkeit, den Dalai Lama, trotz massiver Proteste aus Beijing im Kanzleramt zu empfangen. Aber die stille politische Arbeit vor Ort über Jahrzehnte hat sicherlich dazu ein wenig beigetragen.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Du kandidierst für die Wahl zum tibetischen Ministerpräsidenten im Exil, dem Kalon Tripa. Signalisiert dieser Schritt eine Rückkehr zu deinen politischen Wurzeln?

 

LOBSANG PALDEN TAWO:

Der jetzige Kalon Tripa, Prof. Samdong Rinpoche, scheidet 2011 aus seinem Amt aus und sein Nachfolger wird durch direkte Wahl durch das tibetische Volk bestimmt. Bislang sind 16 Kandidaten auf der Liste, darunter auch meine Wenigkeit. Einige Tibeter, vornehmlich aus Europa und Amerika haben in mich ihr Vertrauen gesetzt und mich nominiert. Ich war ehrlich gesagt auf diese Nominierung in keinster Weise gefasst und habe dies zunächst abgelehnt. Man bedrängte mich aber immer und immer wieder, bis letztlich meine Eitelkeit die Vernunft besiegte. So kam ich auf die Liste. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mulmiger wird es mir. Es sind schon sehr gute Kandidaten auf der Liste, vorallem aus Indien, und ich rechne mir keine großen Chancen aus. Aber ich kann mit den 3 andern Kandidaten aus Amerika ein wenig dazu beitragen, die Wahl interessanter und unterhaltsamer zu gestalten, was letztlich den Reifungsprozess unserer noch sehr jungen Demokratie ein wenig beschleunigen kann. Gyari Rinpoche, der Gesandte Seiner Heiligkeit für den Dialog mit Beijing, Tenzin Namgyal Tethong von der Standford University, Lobsang Sangay von der Harvard University, und ich können die westliche Streitkultur in unserer Politik ein wenig einführen und sie den Landsleuten schmackhaft machen in der Hoffnung, dass die Wahlbeteiligung diesmal besser ausfallen wird als 2006. Geplant sind nach westlichem Vorbild Teledebatten, auf die ich mich besonders freue.

 

BRENNPUNKT  TIBET:

Welche Akzente würdest du in dem Amt setzen; wie willst du deine Landsleute überzeugen, dir die Stimme zu geben?

 

LOBSANG PALDEN TAWO:

Obwohl ich hier in Deutschland groß geworden bin, bin ich trotzdem in der tibetischen Kultur tief verwurzelt; fühle mich sowohl in der deutschen als auch in der tibetischen Sprache gleichermaßen zu Hause. Ich bin somit das Produkt zweier Kulturen, was für die Identifikation und den Zusammenhalt der Tibeter in Tibet und im Ausland wichtig sein kann. Meine Stärke sehe ich in der Modernisierung der Administration der Exilregierung, um somit die logistische Effizienz zu steigern. Mein bisheriges Leben in Deutschland könnte dazu beitragen, die weltweite Vernetzung und die globale Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, vor allem in der westlichen Hemisphäre, zu intensivieren.

 Mit mir würde es eine Fortführung des bestehenden Dialogs mit Beijing geben, da ich absolut davon überzeugt bin, daß nur auf diesem Wege eine friedliche Lösung des Tibetproblems möglich ist. Ich denke, daß ich den sogenannten Mittleren Weg, die Politik der Versöhnung mit China, durchaus überzeugend präsentieren und vertreten kann, da ich quasi als Halbeuropäer ein vehementer Anhänger der Idee des vereinten Europas bin. Die Vision, in größeren Dimensionen zu denken und globaler zu handeln, halte ich für die Zukunft der Menschheit für unerlässlich.