Mein Tibeter-Sein ... (im Exil in Indien)
von Tenzin Tsundue, Mittwoch, 26.12 2007
Neununddreißig Jahre im Exil.
Trotzdem, keine Nation unterstützt uns
Nicht eine einzige verfluchte Nation!
Wir sind Flüchtlinge hier
Das Volk von einem verlorenen Land.
Bürger keiner Nation.
Tibeter : Sympathie-Typen der Welt
Gelassene Mönche und übersprudelnde Traditionalisten;
ein Lakh und mehrere Tausend
schön gemischt und versenkt
in verschiedene assimilierende kulturelle Hegemonien.
Bei jeder Kontrollstelle und jedem Verwaltungsbüro
Bin ich ein 'Indischer Tibeter".
Meine Registrationsbescheinigung
Erneuere ich jedes Jahr mit einem Salaam.
Ein Ausländer, geboren in Indien.
Ich bin eher ein Inder,
Abgesehen von meinem schlitzäugigen tibetischen Gesicht.
Nepalese ? Thailänder ? Japaner?
Chinese? Naga ? Manipuri ?
Aber niemals die Frage - "Tibeter?"
Ich bin Tibeter.
Aber ich bin nicht aus Tibet.
Nie dort gewesen.
Doch ich träume
dort zu sterben .
Lakh: 100.000 auf Hindi
übersetzt aus dem Englischen von Tsering Ngodup
Quelle: High Peaks Pure Earth
Chinesen entlarven Beijings Lügen über Tibet
Die Online-Publikation Mitte Mai 2009 eines neuen, schonungslosen Berichts über wichtige Aspekte der tatsächlichen Situation im heutigen Tibet ist in vieler Hinsicht bedeutsam, obwohl sie keine unmittelbare Auswirkung auf die chinesische Politik in Tibet haben wird. Veröffentlicht von der„Initiative Offene Verfassung“, eine NGO, die von Juristen und Intellektuellen in Beijing geleitet wird, ist sie keineswegs eine Kritik an oder Rechtfertigung der traditionellen tibetischen Gesellschaft und des alten tibetischen Regierungs systems, die 1959 in jeder Hinsicht nicht mehr zeitgemäß waren, wie es sich in dem Abgrund von Hilflosigkeit bei der chinesischen Invasion zeigte.Vielmehr nimmt sie die Souveränität Chinas über Tibet als gegebene Tatsache an und untersucht die Situation dort anhand der vorhandenen chinesischen Gesetze, Politik und Durchführung.In dieser Hinsicht jedenfalls ist dieser Bericht für die chinesische Herrschaft in Tibet abträglicher und vernichtender als alle bisherigen Publikationen der Exil-Tibeter & anderer zusammen. Mehr...
Nachrichten über Tibet
'Tibets neue Aristokratie schlimmer als die alte'
China mag die tibetische Aristokratie vor 1959 als tyrannisch und ausbeuterisch verurteilen. Aber nach der chinesischen Thinktank Gongmeng Consulting Co., Ltd. (oder der Open Constitution Initiative), die 2003 von Juraprofessoren der Beijing Universität, denen sich viele Beijinger Wirtschaftsprofessoren anschlossen, gegründet wurde, ist die neue Aristokratie, die die alte ersetzt hat, noch schlimmer. Ihr Bericht sagt, dass die chinesische Herrschaft in Tibet auf ethnischer Ungleichheit gegründet sei und eine sich selbst bedienende Elite verewige.
Zu diesem Ergebnis kam - laut ihrem Blog vom 19. Mai 2009 auf der Fool's Moutain Website, eine Feldforschung von Mitgliedern des 'Thinktank' nach den März-2008-Protesten auf dem ganzen tibetischen Plateau. Mehr...
Ihr habt die Gewehre, ich einen Stift

Neuerscheinung von Tsering Woeser im Lungta Verlag
Als am 10. März 2008 in Lhasa Unruhen ausbrechen, beginnt Tsering Woeser – zunächst als Blog – die täglichen Proteste, ihre Ausdehnung über ganz Tibet und die Reaktionen der chinesischen Sicherheitskräfte zu dokumentieren. Zu einer Zeit, als Tibet für ausländische Beobachter gesperrt ist und somit kaum unabhängige Informationen verfügbar sind, wird Woesers Blog zu einer der Hauptinformationsquellen – ein aufrüttelndes Zeugnis der Unterdrückung in Tibet.
Das Buch erscheint im Oktober, Vorbestellungen beim Lungta Verlag der Tibet Initiative Deutschland e.V. unter: www.lungta-verlag.de
Taschenbuch, ca. 200 Seiten, € 16,95, CHF 25,50, ISBN 978-3-00-028220-1
Die Übergabe des Deutschen Medienpreises für S.H. Dalai Lama

Bericht über die Übergabe des Deutschen Medienpreises für das Dalai Lama am 10. Februar 2009
Am 10.02.2009 habe ich auf Einladung der Deutschen Medien Control GmBH bei der Verleihung des deutschen Medienpreises in Baden- Baden als Vorsitzender des Vereins der Tibeter in Deutschland e. V. teilgenommen.
Der Deutscher Medienpreis 2008 wurde an S.H. für seinen Weg des gewaltfreien Kampfes für die Rechte des tibetischen Volkes, für sein langjähriges Engagement für die Harmonie unter den Weltreligionen und für seinen Appell an die Entwicklung der inneren menschliche Werte verliehen. Mehr...
Begriffe wie Ökologie, Menschenrechte, Menschenwürde, Moral sind für die meisten Menschen immer noch ein Fremdwort.
Folgendes Interview ist geführt von Esther Klung von Jalicano Magazin. Es erschien in 408 Ausgabe.
Herr Lobsang Phuntsok. Wann sind Sie nach Deutschland gekommen und warum? Hatten Sie Schwierigkeiten bei Ihrer Ausreise?
1950 haben die Chinesen Tibet annektiert. Am 10. März 1959 kam es zu einem Volksaufstand in Tibet, der blutig niedergeschlagen wurde. Danach flohen Hunderttausende über das Himalaya-Gebirge nach
Indien und Nepal, unter anderem auch ich mit meinen Eltern. Ich war gerade mal 8 Jahre alt. Während der Flucht und später in Indien in den Flüchtlingslagern sind Abertausende von Tibetern gestorben,
die Meisten jedoch während der Flucht an Erfrierungen und Erschöpfung. Wir hatten Glück, da mein Vater ein Kaufmann war und somit die Wege nach Indien und Nepal von seinen früheren Reisen gut kannte.
Ich wurde wie viele andere tibetische Kinder in einer Flüchtlings- schule in Simla /Nordindien untergebracht. 1963 tauchte eine deutsche Delegation einer humanitären Organisation in unserer Schule
auf. Als sie unser Elend und die verzweifelte Lage sahen, erklärten sie sich bereit, 12 tibetische Kinder nach Deutschland zu holen und ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen. Auf diesem Wege kam ich
dann als Flüchtlingskind nach Deutschland.
Bitte schauen Sie den vollständigen Text hier:interview-lobsang-phuntsok2
Wie werden Tibeter Ihrer Meinung nach in Deutschland wahrgenommen?
Das Bild der Tibeter hier in Deutschland ist vielschichtig. Einige wenige haben eine sehr romantische Vorstellung von Tibet im Sinne eines „Shangrila“. Aber die Mehrheit der Deutschen,
insbesondere die ältere Generation, hat ein sehr fundiertes Wissen über Tibet und seine Kultur. Viele haben die Bücher von Heinrich Harrer und Peter Aufschneider, zwei Österreichern, die 7 Jahre vor
der chinesischen Annexion in Tibet gelebt haben und wie kaum ein anderer Ausländer das Land und die Menschen kannten, gelesen. Daher sind die Deutschen gut informiert und so leicht kann keiner ihnen
etwas vormachen. Für die deutsche Politik und Wirtschaft scheint Tibet manchmal ein unangenehmes Thema zu sein. Hier das wirtschaftliche Interesse Deutschlands auf dem größten Markt der Welt, dort
die gravierenden Menschenrechtsverletzungen in Tibet, aber auch in China selbst. Hier ein totalitärer Staat, der mehrere Millionen Menschen auf dem Gewissen hat und von Menschenrechten und Freiheit
nichts wissen will, aber wie ein rohes Ei behandelt und hofiert wird, und dort der Friedensnobel preisträger S.H. der Dalai Lama, ein Inbegriff für Frieden und Versöhnung, der wie ein Aussätziger von
westlichen Politikern gemieden wird. Diese Gegensätze hinterlassen bei jedem ein mulmiges Gefühl. Der Spagat zwischen westlichen Werten, wie Menschenrechten einerseits, für die die europäische Kultur
steht und auf die sie zu Recht stolz ist, und die Gewinnmaximierung anderseits, ist schwierig und unglaubwürdig. Die Kanzlerin Angela Merkel hat hier mit sehr viel Mut und letztlich polischer
Weitsicht ein Zeichen gesetzt und gegen enormen Widerstand in der eigenen Koalition den Dalai Lama empfangen. Die ganze Welt hat dies mit Bewunderung und Respekt registriert, ja sogar die chinesische
Intelligentia und die Dissidenten in China und im Ausland haben diesen Schritt begrüßt. Sie sehen, dass der Westen für seine Werte eintritt und sie mit ihm im Ernstfall rechnen können. Wir Tibeter
sind jedenfalls Frau Merkel und Frau Wieczoreck-Zeul äußert dankbar für diesen Empfang!
Sollte eine friedliche Lösung des Tibet-Problems zu seiner Lebzeit nicht gefunden werden, wird der Freiheitskampf der Tibeter auch gewaltsame Züge nehmen.
Von Tsewang Norbu (VTD)
Es ist eine große Ehre für mich als Tibeter, heute hier in Göttingen auf dem 40. Jahrestag der GfbV sprechen zu dürfen. Es begann vor gut einem Vierteljahrhundert, als Anfang 1983 der damalige Asienreferent Ihrer Gesellschaft Kontakt zu uns aufnahm. Bereits in kürzester Zeit wurde ein Buchprojekt „Tibet – Traum oder Trauma“ in Angriff genommen und realisiert.
Für den Verein der Tibeter in Deutschland e.V., dessen Vorstand ich damals angehörte, war das wie ein Geschenk des Himmels. Wir hatten zuvor seit unserer Gründung im Dezember 1979 zwar hier und da mit anderen deutschen Organisationen punktuell zusammengearbeitet, aber die GfbV mit ihrer klaren Zielsetzung zum Schutze der Rechte eines “ganzen” Volkes kam den Anliegen des tibetischen Volkes am nächsten. Anders als viele andere Organisationen in Deutschland hat die GfbV ihre Tibet-Arbeit nicht nur fortgesetzt, sondern auch weiter ausgebaut. Dafür möchte ich Ihnen heute im Namen aller Tibeter in Deutschland unseren tiefen Dank aussprechen. Darüber hinaus erlaube ich mir, auch im Namen der Uiguren das gleiche zu tun, denn wir teilen das gleiche Schicksal und die Uiguren erfahren ebenfalls Ihre Unterstützung. Auf einer Festveranstaltung können aus Zeitgründen nicht alle sprechen.
Der gegenwärtige Konflikt zwischen China und Tibet ist nicht der erste, im Gegenteil. Die Konflikte zwischen China und Tibet reichen viele Jahrhunderte zurück und werden durch die langen gemeinsamen Grenzen erschwert. Neu in diesem Konflikt ist lediglich das Selbstverständnis des neuen Machthabers in Beijing mit altem Anspruch, der diesem Konflikt eine neue Qualität verleiht. Die VR China erhebt nicht nur ihren angeblichen “Souveränitätsanspruch” auf Tibet, sondern gemäß ihres ideologischen Sendungsauftrags gibt sie in Tibet ganz allein den Ton an und bestimmt die Entwicklung Tibets selbst.
Den sino-tibetischen Beziehungen seit der Besatzung 1949-50 liegen kolonialistische Herrschaftsverhältnisse zugrunde. Die Förderung der “Entwicklung” Tibets hat im Grunde genommen primär den Zweck, die chinesische Bevölkerung in Tibet zu unterstützen, Rohstoffe und Produkte für Chinas Industrie zu liefern und Erträge zum Nutzen Chinas zu steigern. Die Tibeter indessen werden im eigenen Land zusehends marginalisiert und haben wenig Kontrolle über ihre natürlichen Ressourcen.
Die Situation für die Tibeter hat sich in jüngster Zeit im Bereich der Gesundheit, Bildung, Religionsfreiheit und Umwelt verschlechtert. Die Marginalisierung im Wirtschaftsbereich hat neue Dimensionen erreicht. All dies gilt in gleichem Unfang für Ost-Turkestan und die Mongolei.
Acht Gesprächsrunden zwischen den Gesandten des Dalai Lama und den Vertretern Chinas seit September 2002 haben zu keinem Ergebnis geführt. Viele Tibeter & Tibet-Unterstützer fühlen sich bestätigt, dass Chinas Bereitschaft für Gespräche lediglich ein geschickter PR-Schachzug ist.
Interessant ist wie Beijing einerseits den Anspruch erhebt, dass Tibet ein integraler Teil der VR China ist, aber andererseits Tibet wie ein fremdes Land behandelt. Dies kam bei den Olympischen Spielen 2008 sehr deutlich zu Tage. Für uns Tibeter & andere Völker unter chinesischer Besatzung wie die Uiguren und Mongolen ist der einzige positive Nebeneffekt der Beijing Olympiade, dass trotz seines Souveränitätsanspruchs auf sie, China im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen diese besetzten Gebiete stets wie fremde Länder behandelt. So z.B. gilt das Versprechen des freien Zugangs für die Presse weder für Tibet und Ost-Turkestan noch für die Mongolei. Daher möchte ich, dass die Völkerrechtler diesen Tatbestand zur Kenntnis nehmen, dass mit dieser Sonderbehandlung Tibets, Ost-Turkestans und der Mongolei die VR China juristisch gesehen klar den Tatbestand erfüllt, dass diese Länder nach chinesischem Selbstverständnis ihrem Hoheitsgebiet “nicht” angehören.
Der Schlüssel zur Lösung der Tibet-Frage liegt in Beijing. Ein starker internationaler Druck kann für die Tibeter etwas Abhilfe schaffen. Die VR China sitzt dem Trugschluss auf, dass das Tibet-Problem mit dem Ableben des XIV. Dalai Lama ein für allemal ein Ende finden wird. Mit ihrer Hinhalte-Taktik spielt China auf Zeit. Im Falle Tibets dürfte es nur dem charismatischen Dalai Lama gelingen, die Tibeter auf einen friedlichen Freiheitskampf einzuschwören. Sollte eine friedliche Lösung des Tibet-Problems zu seiner Lebzeit nicht gefunden werden, wird der Freiheitskampf der Tibeter auch gewaltsame Züge nehmen. “Time is running out”. Nicht für Tibet läuft die Zeit ab, wie China dem Ableben des gegenwärtigen Dalai Lama entgegenfiebert, sondern die Zeit läuft ab für eine friedliche Lösung des Tibet-Problems.



